Castillo Espresso aus Kolumbien – Specialty Coffee aus der Finca Bellavista

Castillo Espresso aus Kolumbien – Specialty Coffee aus der Finca Bellavista

Origin · Finca Bellavista, Caldas

Castillo Espresso aus Kolumbien – Specialty Coffee aus der Finca Bellavista

Juan García · 21. Januar 2026 · 8 Min. Lektüre

Die Basis unseres Specialty Espresso 2026 bei Garza Coffee ist ein gewaschener Castillo aus Kolumbien — von der Finca Bellavista in Caldas, produziert von Alejandro Gil und seiner Familie. Klar, ausgewogen, mit Noten von Kakao, Orange und Vanille. Rund genug für Milchgetränke, präzise genug für Espresso pur.

Im Dezember 2025 habe ich die Finca Bellavista besucht, im Herzen des Departamentos Caldas, rund 30 Minuten von Manizales entfernt. Was ich dort gesehen habe, hat mich überzeugt, diesen Kaffee zur Grundlage unseres Espresso-Programms zu machen. 2026 ist außerdem das erste Jahr, in dem Alejandro international exportiert — ein Meilenstein für seine Familie. In diesem Artikel erzähle ich, wer dahintersteckt, wie der Kaffee produziert wird, und warum es dieses Jahr gleich zwei Lots aus derselben Finca gibt.

Bellavista Espresso auf einen Blick

Die technischen Eckdaten des Kaffees:

  • Produzent: Alejandro Gil, Familia Gil
  • Finca: Bellavista, Caldas, Kolumbien (~30 Min. von Manizales)
  • Höhenlage: 1.300 Meter über dem Meeresspiegel
  • Varietät: Castillo
  • Aufbereitung Espresso-Lot: Washed
  • SCA Score: 84 (Bellavista Espresso) · 85,5 (Honey Castillo)
  • Aromen Espresso: Kakao, Orange, Vanille
  • Röstgrad: Espressoröstung
  • Anbau: ohne chemische Düngemittel oder Insektizide, mehrfache Selektivernte
  • Premiere: 2026 ist das erste Exportjahr von Alejandro Gil

Caldas und Manizales — die Hauptstadt des kolumbianischen Kaffees

Blick auf die Finca Bellavista in Caldas, Kolumbien — Familia Gil, Castillo-Anbau auf 1.300 Metern
Blick auf die Finca Bellavista, Caldas.

Caldas ist eines der drei klassischen Departamentos des kolumbianischen Eje Cafetero — zusammen mit Quindío und Risaralda. Die Landschaft gehört seit 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist seit über hundert Jahren eine der wichtigsten Kaffeeanbauzonen Lateinamerikas.

Die Hauptstadt Manizales ist in Kolumbien untrennbar mit Kaffee verbunden: Hier sitzt Cenicafé, das nationale Kaffeeforschungszentrum, das unter anderem die Varietät Castillo entwickelt hat (dazu gleich mehr). Die Kombination aus vulkanischen Böden der Zentralkordillere, Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern und einem tropischen Mikroklima mit geregelten Regen- und Sonnenzyklen macht die Region zu einem der präzisesten Anbaugebiete der Welt.

Die Finca Bellavista liegt rund 30 Autominuten südlich von Manizales. Das Klima dort ist sauber, feucht und relativ kühl — Bedingungen, die die Kaffeekirschen langsam reifen lassen. Genau das, was man für ausgewogene, süß-runde Profile braucht.

Alejandro Gil und die Finca Bellavista

Die Finca Bellavista wird von Alejandro Gil und seiner Familie bewirtschaftet. 2026 ist sein erstes Jahr, in dem seine Kaffees international exportiert werden — und beide Lots, das Washed und das Honey, gehen zu Garza Coffee nach Berlin.

Was Alejandro besonders macht, ist seine Haltung zur Landwirtschaft. Für ihn ist Kaffee kein isoliertes Handelsgut, sondern Teil eines lebendigen Ökosystems. Das klingt groß, aber er setzt es pragmatisch um: Nach jeder Ernte investiert er Zeit in die Regeneration der Böden, statt sie sofort wieder unter Leistungsdruck zu setzen. Die Felder werden manuell gepflegt, ohne chemische Düngemittel oder Insektizide. Das kostet mehr Zeit und Handarbeit, aber es hält den Boden lebendig und die Pflanzen widerstandsfähig.

Dass er 2026 erstmals exportiert, ist keine Nebensache. Für einen kleinen kolumbianischen Produzenten ist das ein Übergang — weg vom lokalen Binnenmarkt, hin zu internationalen Specialty-Käufern, die andere Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Cupping-Profile und Konsistenz stellen. Alejandro hat diesen Schritt gewagt, und die beiden Lots, die jetzt in Berlin liegen, sind das Ergebnis seiner jahrelangen Arbeit an Qualität und Präzision.

Nachhaltiger Kaffeeanbau — was Alejandro konkret macht

Kaffeepflanze neben Bananenbaum auf der Finca Bellavista — Schattenanbau und natürliche Vielfalt
Kaffee und Bananenbäume wachsen zusammen — Schattenanbau auf der Finca Bellavista.

„Nachhaltiger Kaffeeanbau" ist ein Begriff, der viel gesagt und wenig präzisiert wird. Auf der Finca Bellavista sieht es konkret so aus:

  • Keine chemischen Düngemittel, keine Insektizide. Punkt.
  • Manuelle Pflanzenpflege. Jede Kaffeepflanze wird regelmäßig kontrolliert, die Felder von Hand überwacht.
  • Selektivernte, mehrfach pro Jahr. Gepflückt wird nur, was vollständig reif ist. Das verhindert, dass sich der Kaffeebohrer (broca, einer der gefürchtetsten Schädlinge im Kaffee) ausbreitet, und stellt sicher, dass nur einwandfreies Material in die Aufbereitung kommt.
  • Mechanische Unkrautregulierung statt Herbiziden.
  • Bodenregeneration als regelmäßiger Arbeitsschritt nach der Ernte — nicht als Ausnahme.

Dieser Ansatz erfordert mehr Zeit und deutlich mehr Handarbeit als konventioneller Anbau. Aber er zahlt sich in der Tasse aus: sauberere Profile, weniger „Rauschen", eine definierte Süße, die nur möglich ist, wenn wirklich nur reife Kirschen geerntet werden.

Die Castillo-Varietät und zwei Prozesse

Beide Lots von Alejandro — der Washed für den Bellavista Espresso und der Honey für den Honey Castillo — sind aus derselben Varietät: Castillo.

Castillo ist eine kolumbianische Hybridsorte, die in den 1980er-Jahren vom nationalen Forschungszentrum Cenicafé (mit Sitz in Manizales) entwickelt wurde. Ihr Hauptmerkmal: eine natürliche Resistenz gegen den Kaffeerost (la roya), der viele traditionelle Varietäten in Kolumbien bedroht. Lange galt Castillo als „produktive", aber sensorisch unspannende Sorte. In den letzten Jahren hat sich das Bild verändert: Bei präziser Aufbereitung und selektiver Ernte kann Castillo ausgesprochen klare, runde Profile entwickeln — besonders geeignet für Espresso, wo Ausgewogenheit und definierte Süße wichtiger sind als aromatische Extreme.

Aus derselben Varietät, derselben Finca, demselben Produzenten entstehen durch unterschiedliche Aufbereitung zwei sehr unterschiedliche Kaffees:

Washed (Bellavista Espresso): Das Fruchtfleisch wird direkt nach der Ernte vollständig entfernt, die Bohnen werden gewaschen und getrocknet. Ergebnis: ein klarer, strukturierter Espresso mit definierter Süße, eleganter Säure und einer Aromatik, die auf Kakao, Orange und Vanille zeigt.

Honey Process (Honey Castillo): Die Schale wird entfernt, aber ein Teil des Fruchtfleischs (Mucilage) bleibt an der Bohne. Während der Trocknung ziehen die natürlichen Zucker des Mucilage in die Bohne ein. Ergebnis: ein Kaffee mit ausgeprägterer Süße und mehr sensorischer Tiefe — als Espresso: Honig und Kakao, als Filterkaffee: klare Mandarine.

Beide Profile zeigen, was Castillo leisten kann, wenn die Aufbereitung stimmt. Und beide sind 2026 zum ersten Mal überhaupt außerhalb Kolumbiens erhältlich.

Im Cup — wie die beiden Lots schmecken

Trotz gemeinsamer Herkunft und Varietät sind die beiden Tassen klar unterscheidbar.

Bellavista Espresso (Washed): Im Espresso öffnet der Kaffee mit Kakao, gefolgt von einer hellen, saftigen Orange-Note und einer weichen Vanille-Süße im Abgang. Die Säure ist strukturiert, nicht aggressiv. Der Körper ist mittel und rund, die Tasse ausgewogen und zugänglich — ein Profil, das pur genauso funktioniert wie in Milchgetränken. Im Flat White oder Cappuccino entfalten sich die Kakao- und Vanille-Noten besonders schön.

Honey Castillo (Honey Process): Das Profil ist süßer und runder. Als Espresso: Honig und Kakao, mit einer spürbaren natürlichen Süße, die nicht zuckerig wirkt, sondern wie reifes Steinobst. Als Filterkaffee verschiebt sich das Profil: klare Mandarine, saubere Süße, leichter Körper. Ein Kaffee, der in beiden Brühmethoden überzeugt — daher der Omni Roast.

Beide sind Kaffees, die nicht polarisieren. Kein harter Charakter, kein Experiment. Einfach sehr guter Specialty Coffee.

Zubereitung — Espresso und Filter

Bellavista Espresso — als Espressoröstung entwickelt:

  • Dosis: 18 g in, 36 g out (Ratio 1:2)
  • Brühtemperatur: 93 °C
  • Bezugszeit: 27–30 Sekunden
  • Mahlgrad: fein
  • Empfehlung: pur, oder in Milchgetränken (Flat White, Cappuccino, Cortado)

Die Espressoröstung ist dichter und etwas dunkler als eine Filterröstung, was sie deutlich kompatibler mit Standardmaschinen macht — Siebträger, Vollautomaten und präzise Haushaltsmaschinen kommen problemlos klar. Anders als bei einer hellen Röstung wie Apricot OD brauchst du hier keine PID-Steuerung oder Vorinfusion, um ein sauberes Ergebnis zu bekommen.

Honey Castillo — Omni Roast:

Die Omni-Röstung ist so abgestimmt, dass sie sowohl als Espresso als auch als Filter funktioniert.

  • Als Espresso: 18 g in, 36 g out, 93 °C, 27–30 s
  • Als Filterkaffee: 1:15 (z. B. 15 g auf 225 g Wasser), Wassertemperatur 93 °C, Mahlgrad mittelgrob. V60 oder AeroPress empfohlen.

Die Idee hinter Omni Roast: eine einzige Röstung, die in beiden Brühmethoden gut funktioniert — kein Kompromiss, sondern eine bewusst abgestimmte Balance. Praktisch für alle, die sowohl Espresso als auch Filter trinken.

Was hinter dem Bellavista Espresso steckt

Despulpadero auf der Finca Bellavista — Entpulpung der Kaffeekirschen vor der Washed- und Honey-Aufbereitung
Despulpadero auf der Finca Bellavista — erster Schritt nach der Selektivernte.

Ein Kaffee wie der Bellavista Espresso entsteht nicht im industriellen Takt. Nur vollständig reife Kirschen werden ausgewählt, mehrere Durchgänge pro Saison, von Hand. Danach folgt die Aufbereitung (Washed für das Espresso-Lot, Honey für das zweite Lot), eine kontrollierte Trocknung und schließlich die Röstung in kleinen Chargen in Berlin.

Der Preis spiegelt diese Arbeit. 14 € für 250 g Bellavista Espresso — und dasselbe für den Honey Castillo. Für einen Specialty-Kaffee aus direkter Beziehung zum Produzenten, ohne den Umweg über den Massenmarkt, ist das ein fairer Gegenwert.

Bellavista Espresso von Garza Coffee — Castillo Washed aus Caldas, 250g Beutel

Bellavista Espresso

Castillo Washed · Espressoröstung · 250g

€14,00

Kakao, Orange, Vanille — klarer Espresso mit definierter Süße, eleganter Säure, rund genug für Milchgetränke.

Alejandro Gil · Finca Bellavista, Caldas · Castillo · 1.300m · Washed · Espressoröstung · Score 84

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Honey Castillo — das zweite Lot derselben Finca

Wenn dich der Bellavista Espresso überzeugt, lohnt sich ein Blick auf das zweite Lot, das Alejandro 2026 nach Berlin geschickt hat: den Honey Castillo. Gleiche Finca, gleiche Varietät, andere Aufbereitung — und durch den Omni Roast flexibel in Espresso und Filter einsetzbar.

Honey Castillo von Garza Coffee — Castillo Honey Process aus Caldas, 250g Beutel

Honey Castillo

Castillo Honey Process · Omni Roast · 250g

€14,00

Honig, Kakao (Espresso) · klare Mandarine (Filter) — runder, zugänglicher Kaffee mit natürlicher Süße in beiden Brühmethoden.

Alejandro Gil · Finca Bellavista, Caldas · Castillo · 1.300m · Honey Process · Omni Roast · Score 85,5

Zum Honey Castillo

Häufige Fragen zum Bellavista Espresso

Wo kommt der Bellavista Espresso her?
Von der Finca Bellavista im Departamento Caldas, Kolumbien, rund 30 Minuten südlich von Manizales, auf 1.300 Metern Höhe. Produziert von Alejandro Gil und seiner Familie.

Welche Varietät ist der Kaffee?
Castillo — eine kolumbianische Hybridsorte, in den 1980er-Jahren von Cenicafé in Manizales entwickelt, bekannt für Resistenz gegen Kaffeerost und eine ausgewogene, klare Tasse bei präziser Aufbereitung.

Was ist der Unterschied zwischen dem Bellavista Espresso und dem Honey Castillo?
Beide kommen aus derselben Finca, von demselben Produzenten, aus derselben Varietät. Unterschiede: Der Bellavista Espresso ist ein Washed-Lot mit reiner Espressoröstung — für Espressomaschinen und Milchgetränke. Der Honey Castillo ist ein Honey-Lot mit Omni Roast — funktioniert sowohl als Espresso (Honig, Kakao) als auch als Filterkaffee (klare Mandarine).

Funktioniert der Bellavista Espresso in einer Standard-Espressomaschine?
Ja. Die Espressoröstung ist dichter und etwas dunkler als eine helle Filterröstung, deshalb ist sie kompatibel mit Siebträgern, Vollautomaten und präzisen Haushaltsmaschinen. Anders als helle Röstungen braucht sie keine PID-Steuerung oder Vorinfusion.

Eignet sich der Bellavista Espresso für Milchgetränke?
Ja — besonders gut sogar. Die Kakao- und Vanille-Noten setzen sich klar gegen die Milch durch, ohne bitter zu werden. Flat White, Cappuccino, Cortado: passt.

Was bedeutet „erste Exportation 2026" für Alejandro?
Dass seine Kaffees 2026 erstmals international verkauft werden — vorher wurden sie hauptsächlich lokal vermarktet. Für einen kleinen Produzenten in Caldas ist das ein bedeutender Schritt in Richtung Specialty-Markt.

Welchen Röstgrad haben die beiden Kaffees?
Der Bellavista Espresso ist als Espressoröstung entwickelt — dichter als eine Filterröstung, aber nicht dunkel im italienischen Sinne. Der Honey Castillo ist ein Omni Roast, abgestimmt für beide Brühmethoden.

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